Die Angst vor der Waage

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2–3 Minuten

Wenn die Waage wieder steigt. Über den Schmerz nach der Schlauchmagen-OP und die Heilung des Inneres Kindes. Es ist dieser eine Moment im Badezimmer. Der Blick fällt auf die Anzeige der Waage und das herz zieht sich zusammen. Ein stechender Schmerz schießt durch die Brust- nicht körperlich, sondern seelisch. Die Zahlen lügen nicht: Das Gewicht geht wieder nach oben. Trotz der grossen Operation. Trotz des harten Weges den du bereits hinter dir hast. In diesem Moment klopft sie laut an die Tür: die Scham. Sie flüstert dir Worte wie „Versagen“ ins Ohr und behauptet, du seist der einzige Mensch, der es „sogar mit einer OP vermasselt“.

Die Last der Erwartungen

Nach einer Schlauchmagen-Operation (Sleeve) herrscht oft der Glaube vor, man hätte nun den „Joker“ gezogen. Die Umwelt erwartet, dass die Pfunde für immer schwinden und man selbst setzt sich unter einen enormen Druck. Wenn die Kurve dann stagniert oder-noch schlimmer-wieder steigt, fühlt sich das an wie ein öffentliches Scheitern. Doch lass uns eines klarstellen: Eine Zunahme nach der OP ist kein Zeichen von Charakterlosigkeit. Sie ist ein Zeichen dafür, dass das eigentliche Thema tiefer liegt als der Magen groß ist.

Wenn der Magen klein ist, aber der Hunger Der Seele groß

Die Operation verändert deine Anatomie, aber sie operiert nicht deine Geschichte weg. Die Gründe, warum wir früher zum Essen gegriffen haben-Trost, Schutz, Betäubung, Einsamkeit-, verschwinden nicht durch das Skalpell. Hinter der Gewichtszunahme steckt oft das Innere Kind. Jener Teil in uns, der vor Jahren gelernt hat, dass Essen der sicherste Hafen ist, wenn die Welt zu laut oder zu verletzend wurde.

-Vielleicht fühlt sich dieses Kind gerade überfordert?

-Vielleicht hat es Angst, ohne den schützenden „Panzer“ aus Körperfett sichtbar zu sein?

-Vielleicht versucht es, eine innere Leere zu füllen, die keine Kalorie der Welt sättigen kann?

Vom Kampf zu Versöhnung

Das Gefühl des Versagens ist eine Sackgasse. Es führt zu Selbsthass, und Selbsthass ist der schlechteste Motor für Veränderung. Wer sich schämt versteckt sich-und wer sich versteckt, greift oft wieder zum Essen, um den Schmerz der Scham auszuhalten. Ein Teufelskreis.

Heilung beginnt dort, wo wir aufhören, uns zu verurteilen.

1.Hinhören statt Wegdrücken: Wenn der Drang zu essen kommt, frag dich sanft. „Was brauchst das kleine Ich in mir gerade wirklich? Braucht es eine Umarmung, Ruhe oder darf es einfach mal wütend sein ?“

2.Den Magen als Werkzeug sehen, nicht als Wunder: Die OP war eine Hilfe aber keine Heilung der Seele. Es ist okay, jetzt psychologische Unterstützung oder eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Das ist kein Versagen, sondern mutige Selbstfürsorge.

3.Abschied vom Perfektionismus: Du musst nicht perfekt funktionieren. Du bist ein Mensch mit einer komplexen Geschichte. Jeder tag ist eine neue Chance, friedlich mit sich selbst zu sein. Du bist so viel mehr als eine Zahl. Falls du gerade in dieser dunklen Phase steckst: Atme tief durch. Die Scham darf da sein, aber sie darf nicht das Steuer übernehmen. Du hast bereits soviel Stärke bewiesen, indem du diesen Weg überhaupt angetreten bist. Deine Reise ist nicht zu Ende nur weil es einen Umweg gibt. Manchmal ist dieser Umweg nötig, um nicht nur den Körper, sondern auch da Herz zu heilen.

measuring tape on a weighing scale
Photo by SHVETS production on Pexels.com

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